Aus dem Staub gemacht

Die Feinstaubbelastung durch den Straßenverkehr ist in Deutschland deutlich zurückgegangen. Die Grenzwerte werden nur noch an einem einzigen Standort überschritten.

„Am Neckartor“ ist eine vielbefahrene Straße in Stuttgart – und der Messcontainer für die Luftqualität steht in einer Häuserecke an einer Ampel mit Hanglage. Deshalb verwundert es kaum, dass am Neckartor seit Einrichtung der Messstation im Jahr 2005 die bundesweit höchsten Belastungen mit Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub gemessen werden (Grafik):
 
Von den zehn Standorten mit der höchsten Feinstaubbelastung in Deutschland ist „Am Neckartor“ in Stuttgart der einzige, der den Grenzwert im Jahr 2016 öfter überschritten hat als erlaubt.

































Die Grenzwerte sind unterschiedlich ausgelegt: Bei den PM10-Emissionen darf das zulässige Tageslimit von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter (μg/m3) nur an 35 Tagen überschritten werden. Das zulässige Jahresmittel von 40 μg/m3 wird ohnehin seit einiger Zeit nirgendwo mehr überschritten. Anders beim Stickstoffdioxid: An vielen Messpunkten, insbesondere an den Straßen in Innenstädten, wird der Grenzwert von 40 μg/m3 im Jahresmittel teilweise deutlich überschritten.

Die Crux: Der Ausstoß von Stickoxid und jener von Feinstaub hängen eng zusammen. Im Motor entsteht je nach Temperatur eher mehr Feinstaub oder mehr Stickoxid. Durch Partikelfilter erhöht sich ferner der NO2-Anteil im Abgas. Zudem entstehen Stickoxide, wenn die Filter durch Abbrennen der gesammelten Partikel regeneriert werden. In der Summe geht die Senkung des Partikelausstoßes daher mit erhöhten NO2-Emissionen einher.
Trotzdem war es richtig, zuerst den Feinstaubausstoß zu reduzieren. Denn während die Belastung durch Stickoxid lokal auftritt, ist Feinstaub mobil. Wer etwa direkt an der Messstation am Stuttgarter Neckartor steht, ist tatsächlich einer hohen Belastung durch NO2 ausgesetzt. Doch schon der Gang in eine Seitenstraße oder in ein Gebäude senkt die Belastung spürbar.

Sinnvolle Maßnahmen gegen Stickoxid
 
Ganz anders beim Feinstaub: Die Partikel breiten sich mit dem Wind leicht aus. Dieser Belastung kann man also nicht so gut ausweichen wie der durch Stickoxid. Zudem sind Fein- und Feinststaub viel gesundheitsschädlicher als NO2.
 
Dennoch lässt sich auch die Stickoxidbelastung durch eine Reihe von Maßnahmen bekämpfen. Die derzeit diskutierte Einrichtung von Umweltzonen ist aber keine besonders gute Idee – denn so würden die Belastungen nur verlagert: Viele Autofahrer würden die Umweltzone umfahren, also längere Wege in Kauf nehmen, und die Stickoxidbelastung woanders erhöhen.
 
Besser geeignet sind Maßnahmen, mit denen stark frequentierte Straßenzüge besser durchlüftet werden, Alternativen wie der öffentliche Nahverkehr, der Ausbau von Radwegen und Carsharing – und eine Verknüpfung dieser Optionen. Auch alternative Antriebe können die NO2-Belastung reduzieren.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Grenzwert für Feinstaub wird nur noch an einer Messstation in Stuttgart überschritten.
  • Stickoxide sind weiterhin ein Problem. Besonders in den Innenstädten wird der Grenzwert teilweise deutlich überschritten.
  • Die Stickoxidbelastung lässt sich durch eine Reihe von Maßnahmen bekämpfen, zum Beispiel durch einen besseren öffentlichen Nahverkehr, den Ausbau von Radwegen und Carsharing.

Quelle: iwd - Informationen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln
 



Veröffentlicht am:
07:13:00 23.08.2017 von vogl

Letzte Aktualisierung
07:26:54 23.08.2017